Schweizerdeutsch erhält das „womit“

Heute im Tram musste ich hören, dass es dem „mit was“ vielleicht an den Kragen geht. Zwei Mädels vor der Lehrabschlussprüfung. Fragt eine die andere:

Womit häsch am meischte müeh?

„Womit“ gab es in der schweizerdeutschen Sprache bisher genausowenig wie „wofür“, „weshalb“, „worauf“ oder „wessen“. Stattdessen sagt man „mit was“, „für was“, „warum“ (kausal) bzw. „uf was“ (lokal) und „wem sis“.

Sowieso gibt es im Schweizerdeutschen eine ganze Menge weniger Adverbiale als im Deutschen. Wenn Zürcher Lehrabschlussprüflingerinnen da einen Trend vermuten lassen, nicht mehr lange!

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„Übercho“ wird schleichend ersetzt durch „becho“

Wenn man etwas bekommt, heisst es in den meisten Dialekten entweder „übercho“ (Zürich und die meisten Dialekte) oder „kriaga“ (Khûrertütsch). Baselditsch macht vielleicht eine Ausnahme — ich weiss es nicht.

In Zürich hört man aber immer öfter das neue „becho“. Beispiele:

Ich han es buech becho.

Bechunsch du bscheid?

Bechunt er ä rechnig?

statt:

Ich han es buech übercho.

Chusch du bscheid über?

Chunt er ä rechnig über?

Wie man schön sieht, geht in der dem Deutschen angeglichenen Deklination sogar die Trennung verloren.  Etwas, das für viele solche schweizerdeutschen zusammengesetzten Verben grammatisch so charakteristisch ist, wie in Bayern die Doppelverneinung („…wo sich koa mensch ned hisetzt“).

Wäre schade, wenn so etwas der Verdeutschung zum Opfer fiele.

Khûrertütsch scheint nicht betroffen, dort kriegt man Dinge traditionell, man bekommt sie nicht:

Häsch dia rechnig scho kriagt?

Kriagt dä herr döta’n’an kaffee?

Miar kriagend bald a neus sortiment.